Wenn ich nur die Muße dafür hätte ….

Das ist eine Klage, die wir in unserer Zeit sehr oft hören. Eine Ausrede soll es sein. Für Dinge, die wir doch eigentlich gerne täten. Aber: es ist kein Raum für die Muße da.

In einer Zeit, in der Effizienz und Zeitmanagement unseren Alltag bestimmen, müssen wir uns Zeiten „für uns selbst“ erkämpfen. Aber wie sehen solche Zeiten dann aus? Sind sie nicht auch von den Gedanken der Effektivität, des Nutzens geprägt?

Muße hat eine ganz andere Qualität, die es neu in den Blick zu nehmen gilt. Das hat mir ein Artikel des Philosophen Josef Pieper vor Augen geführt, der im SALZKORN 3/2016 veröffentlicht wurde. Josef Pieper schrieb den Artikel schon 1963 und spricht doch genau in unsere Zeit.

Schon damals erkannte er eine Überbewertung der Arbeit, die uns bestimmt. Er differenziert dies in drei Bereichen:

– Eine Überbewertung der Aktivität

– Eine Überbewertung der Mühe und der Last

– Eine Überbewertung der sozialen Funktion

Wir sagen: Es muss immer etwas passieren, Stillstand darf nicht sein, Wachstum ist Pflicht. Muße aber ist gerade Nichtstun – das ist für uns verdächtig. „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ – so lernen wir. Muße aber ist Voraussetzung zum Empfangen.

Wir sagen: Das Gute ist anstrengend, es muss erarbeitet werden – ohne Fleiß, kein Preis! Niemand wird in Frage gestellt, der viel tut. Er ist auf der richtigen Spur. Ich lass mir nichts schenken – ich schaffe mir „was an“. Muße aber ist eine Haltung des Feierns, des Beschenktwerdens.

Wir sagen: Ich bin, was ich tue! Ich bin, was andere in mir sehen. Das bedienen wir mit großer Hingabe. Wir stellen Menschen, Gruppen, Firmen etc. zufrieden. Mit großem Aufwand erklimmen wir den Berg der sozialen Anerkennung. „Der Sinn der Muße ist nicht, dass der Mensch störungsfrei funktioniere, sondern dass er, inmitten seiner sozialen Funktion Mensch bleibe.“ Muße ist mehr als Pause, als Urlaub – das ist Erholung von der Arbeit für die Arbeit. So viel freie Zeit füllen wir doch sehr effektiv, um sie für die Arbeit zu nutzen.

„Muße kann es nur geben, wenn der Mensch eins mit sich selbst ist, wenn er seinem eigentlichen Sein zustimmt!“

Die Gedanken machen deutlich, wie sehr gerade in der Gottesbegegnung sich der Raum für die Freiheit zur Muße öffnet: frei von dem Muss der Aktivität, der Last und dem Druck, etwas sein zu müssen. Denn vor Gott sind wir: geliebt, berufen, gesandt und bevollmächtigt.

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Matthäus 11, 28+29)

Hier finden Sie den Link zur OJC, SALZKORN 3/2016 http://www.ojc.de/salzkorn/2016/salzkorn-3/musse-pause-ruhe0/

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